In den Thüringer Bergen, bei den Greiner-Müllers, Geißlers & Ungers

In den Thüringer Bergen, bei den Greiner-Müllers, Geißlers & Ungers

Man stelle sich bloß vor, es hätte womöglich ausreichend Schnee gelegen in jenen Wintertagen im Thüringer Wald! Gar nicht auszudenken! Wir wären ordentlich Ski gelaufen und hätten möglicherweise nie erfahren, wer die Greiner-Müllers und die Geißlers waren…

Aber so? – War es die Stunde der B-Pläne. Anfang Februar 2016 hatten eine Handvoll unverzagter Roter Socken die Reise zu Rennsteig-Gastgeber Ronald Unger angetreten – in die Stadt mit Deutschlands höchstgelegenem Normalspur-Bahnhof. Was? Ihr wisst nicht, welche Stadt das ist? Nun, die drei Einzelteile dieser Stadt gehörten früher zu drei verschiedenen Fürstentümern (Schwarzburg-Rudolstadt, Sachsen-Coburg und Sachsen-Meiningen), bevor die Köhler, Pottaschbrenner, Glasmacher, Kienrußbrenner, Harzscharrer, Kustelölmacher, Zimmerleute und Holzfäller das Recht erhielten, auf dem Marktflecken am Neuen Haus einen Jahrmarkt abzuhalten. Fortan gab es kein Halten mehr: Das Thüringer Glas trat seinen Siegeszug um die ganze Welt an. Wie? Ihr meint, das sei übertrieben? – Dann wisst ihr noch nicht, dass die wunderbunt glitzernden Weihnachtsbaum-Glaskugeln vor anderthalb Jahrhunderten von eben jenen Greiners und Müllers erfunden wurden, deren Namen auch heute noch viele Klingelschilder in der Region zieren. Aus purer Not!, weil die Greiner-Müllers zwar jede Menge Glas hatten, sich aber kein Dörrobst leisten konnten, mit welchem vordem die Weihnachtsbäume geschmückt wurden. Not macht eben erfinderisch.

Das trifft auch auf Johann Heinrich Wilhelm Geißler zu. Was?, den kennt ihr auch nicht? – Aber ihr kennt natürlich Edison, Röntgen und Tesla! Nun stellt euch vor: Ohne den guten Geißler von eben jenem thüringischen Marktflecken hätte es diese drei weltberühmten Männer wohl gegeben; jedoch wären sie niemals so berühmt geworden. Heinrich (eines von zwölf Kindern der Geißlers) ist nämlich der Erfinder der Geißler´schen Röhre: einer gläsernen Niederdruck-Gasentladungsröhre. Glasbläser wie sein Vater, entwickelte der Tüftler Heinrich einen besonderen Apparat, der es ihm ermöglichte, seine Röhren zu evakuieren und sie mit Gasen beliebig großer Spannkraft zu füllen. Und erst dadurch wurden all die anderen Entdeckungen und Erfindungen besagter und weiterer großer Männer möglich…

Zu den Entdeckungen der Socken auf ihrem Trip durch den Thüringer Wald gehörte noch ein weiterer Superlativ: Europas größte Skilanglaufhalle. Wenn Petrus schon nicht mitspielt, dann wenigstens Ronald! Hatte Ersterer uns den Plan A zwar gründlich vermasselt, so erfand der findige Ronald eben Plan B: Skilanglauf indoor! Ob Bundeswehr-Biathlet oder Langlauf-Analphabet – in der Skisport-Halle am Oberhofer Grenzadler findet der geneigte Skiläufer auf drei Schleifen alle Schikanen, die man sich für den Klassischen oder den Skating-Stil nur wünschen kann. Uff! Nach einigem Auf & Ab kam eine Stärkung in Cortina – nein!: im Cortina – gerade recht. Das Cortina ist ein Restaurant und Café mit echt italienischer Alpenküche – mit Herz!, und mitten im Herzen von Oberhof im Thüringer Wald. Der Ronald vom Rennsteig kennt sie eben alle: die Fröhlichs vom Cortina, die Lucks von der Skisport-Halle, die Greiners und die Müllers aus Lauscha, und, und, und … Zusammen mit seiner Ehefrau Viola bietet Ronald Unger individuell geführte Bike-Touren über den Rennsteig an – zu Jahreszeiten, in denen planmäßig kein Schnee liegt auf dem ältesten Langwanderweg Deutschland. Wo die Ungers leben?

Dort, wo der Rennsteig Rennweg heißt.

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