Von Osten und Socken

Von Osten und Socken

Eigentlich wollen wir doch nur laufen! Zugegeben: Selbst angestrengtes Laufen in großer Gesellschaft macht großen Spaß, doch angestrengte Spaßmacher laufen Gefahr, die Laufgesellschaft anzustrengen. Andreas Ulrich, im Hauptberuf Sportmoderator beim rbb, gab sich am vergangenen Sonntag die größte Mühe, 2.318 am Start Versammelte zu bespaßen; allein, es wollte nicht so recht gelingen. Weder die Suche nach den obligatorischen Promis („Vielleicht sehen Sie ja Günter Jauch, der wohnt hier gleich um die Ecke.“) noch die nach den harten Hertha-Fans unter den Drittelmarathonläufern begeisterten die Laufbegeisterten. Denn die wollten doch nur … Laufen!

… und mit eben diesem Willen machten sich auch die Socken Harald und Stefan auf die Socken. Start und Ziel des Unterfangens war die ebenso hässliche wie geschichtsträchtige Glienicker Brücke, jene Brücke, die Potsdam und Berlin, den Osten im Westen mit dem Westen im Osten, verbindet. Bei wirklich optimalem Laufwetter ging es quer durch Potsdams Innenstadt sowie durch das annektierte Babelsberg. Weniger optimal war dagegen vorher die Saisonvorbereitung der beiden Rotsocken verlaufen, sodass die Motivation durchaus einfach war: Das Ziel zu erreichen war das Ziel!, und wenn es noch dazu in weniger als 70 Minuten zu schaffen sein würde – perfekt!

Im hinteren Teil des im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduzierten Starterfeldes gut aufgestellt, rollten die Linken das Teilnehmerfeld zunächst über links und rechts von hinten auf. Vorbei an öden Wahlplakaten öder Parteien (mit Ausnahme der Anderen!) lief es bis zum Richtungswechsel von West nach Ost recht gut, aber dann: kam der Wind von der Osten-Sacken*. Wie so oft im Leben war daher die zweite Hälfte die schwierigere – es ging nicht nur gegen den mäßigen Ostwind, sondern in Babelsberg auch noch gegen das namensgebende geografische Relief. Abwechselnd schwächelten nun die beiden Socken, doch wie es sich für eine funktionsfähige Fußbekleidung gehört: Eine für die andere, die andere für die eine! Einträchtig nahmen die Roten schließlich die letzte Linkskurve auf Westberliner Boden und dann auch noch die Glienicker Brücke im Sturm – um nach 14,065 km und 1:08:38 h gemeinsam die Ziellinie zu überqueren. Geschafft! Halbtot zwar, aber eben immer noch halb lebendig! Mehr noch als die Zufriedenheit mit dem Erreichten strahlten daher die Gesichter von Harald und Stefan Optimismus aus: In dieser Form steckt noch mehr drin in den Socken … (z.B. Halbmarathon, Rennsteigstaffel, Ohratalsperrelauf, usw. usf. …).

* kein Schreibfehler!, liebe Socken. Johannes Baron von der Osten-Sacken ist Potsdamer FDP-Kreischef und versucht derzeit, die Potsdamer Kommunalwähler mit seinem bräsigen Outfit von den Straßenlaternen herab von seiner „transparenten, nachvollziehbaren und konsequent erlebbaren“ Profillosigkeit zu überzeugen.

P.S.: Rechenaufgabe für ganz ausgeschlafene Socken: Wer nach einem Drittelmarathon halbtot ist – was ist derjenige nach einem Halbmarathon?

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